Könnte ein Smartphone Apollo 11 zum Mond fliegen?

Ein aktuelles Smartphone hat millionenfach mehr Speicher als der Computer, mit dem 1969 die Mondlandung gelang. Trotzdem wäre es kein guter Ersatz. Ein Faktencheck zum Tod der Apollo-Programmiererin Margaret Hamilton.

Es ist einer der beliebtesten Technik-Vergleiche: Das Handy in der Hosentasche sei leistungsfähiger als der Computer, mit dem 1969 die ersten Menschen auf dem Mond gelandet sind. Der Anlass, genauer nachzurechnen, ist ein trauriger. Margaret Hamilton, die am MIT das Team für die Bordsoftware der bemannten Apollo-Flüge leitete, ist am 30. September im Alter von 90 Jahren gestorben. Das MIT hat ihren Tod am 7. Oktober bekannt gegeben.

Was der Apollo-Computer konnte

Der Apollo Guidance Computer, kurz AGC, steuerte sowohl die Kommandokapsel als auch die Mondlandefähre. Laut dem Apollo Flight Journal hatte er 36.864 Wörter Festspeicher, der als sogenannter Kernseilspeicher (Core Rope) buchstäblich aus Drähten und Magnetkernen gefädelt war, und nur 2.048 Wörter löschbaren Arbeitsspeicher. Ein Wort bestand aus 15 Bit plus einem Prüfbit. Umgerechnet sind das etwa 72 Kilobyte Festspeicher und 4 Kilobyte Arbeitsspeicher.

Eine einzelne Addition dauerte 23,4 Mikrosekunden, der Rechner schaffte also gut 40.000 Additionen pro Sekunde. Dabei wog er rund 30 Kilogramm.

Das Smartphone von heute

Zum Vergleich ein aktuelles Spitzenhandy: Das Samsung Galaxy S26 Ultra gibt es ab 256 Gigabyte Speicher, laut dem Datenblatt von GSMArena mit 12 Gigabyte Arbeitsspeicher. Das ist rund drei Millionen Mal so viel Arbeitsspeicher und rund 3,5 Millionen Mal so viel Festspeicher wie beim AGC. Der Prozessor hat acht Kerne und taktet mit bis zu 4,74 Gigahertz.

Auch die NASA zieht solche Vergleiche. Laut ihrem Orion-Handbuch hat schon einer der Bordcomputer des neuen Mondraumschiffs Orion 128.000-mal mehr Speicher als der Apollo-Rechner und ist 20.000-mal schneller, bei nur drei Vierteln des Gewichts.

Also ja? Nicht so schnell

Rein rechnerisch hätte ein Handy die Aufgaben des AGC mühelos erledigt. Ein Raumschiff steuern könnte es trotzdem nicht einfach so. Der AGC war direkt mit der Navigationstechnik, den Triebwerken und dem Bedienfeld DSKY verbunden, über das die Astronauten Befehle als Kombination aus „Verb“ und „Nomen“ eintippten. Ein Smartphone müsste dafür erst mit eigener Hardware und Software angebunden werden.

Dazu kommen Strahlung und Ausfallsicherheit. Elektronik für den Weltraum muss nachweislich verkraften, dass energiereiche Teilchen Speicher und Schaltungen stören. Bei Orion setzt die NASA deshalb auf Redundanz: Jeder der zwei Bordcomputer besteht aus zwei Modulen, insgesamt arbeiten vier Systeme parallel. Und auch der AGC war nie allein. Großrechner am Boden übernahmen vor, während und nach dem Flug wichtige Berechnungen, und der Bordcomputer konnte per Funk Befehle von der Erde empfangen.

Handys im All gibt es längst

Ganz abwegig ist die Idee trotzdem nicht. Die NASA schickte am 21. April 2013 drei sogenannte PhoneSats ins All, kleine Satelliten, die mit Smartphones als Herzstück bis zum 27. April Bilder der Erde funkten. Der Mars-Hubschrauber Ingenuity flog mit einem Snapdragon-801-Chip von Qualcomm, laut NASA steckt in dem Fluggerät viel Technik aus der Handywelt. Und bei der Mondmission Artemis II hatten die Astronauten im April 2026 iPhones dabei, allerdings nur zum Fotografieren und Filmen, ohne Internet und Bluetooth.

Das eigentliche Kunststück war die Software

Dass die Mondlandung gelang, lag nicht an roher Rechenkraft, sondern an kluger Software. Kurz vor dem Aufsetzen der Landefähre Eagle meldete der Bordcomputer die Alarme 1202 und 1201. Wegen falsch gestellter Schalter des Rendezvous-Radars wurde der Rechner mit unnötigen Aufgaben überhäuft. Die nach Prioritäten arbeitende Software, an der Hamiltons Team maßgeblich beteiligt war, startete neu, nahm die für die Landung entscheidenden Aufgaben wieder auf und ließ die überflüssigen fallen. Die Flugleitung in Houston wusste aus Tests, dass das funktioniert, und gab grünes Licht.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).

Hamilton gilt als eine der Personen, die Software-Engineering als eigene Disziplin etabliert haben. 2016 zeichnete sie US-Präsident Barack Obama dafür mit der Presidential Medal of Freedom aus.

Die ehrliche Antwort

Ja und nein. An Speicher und Rechenleistung würde es einem modernen Handy nicht fehlen, es spielt in einer völlig anderen Liga. Ein Raumschiff zum Mond zu steuern und sicher zurückzubringen, verlangt aber mehr: Anbindung an Sensoren und Triebwerke, Schutz vor Strahlung, Ausfallsicherheit und Software, die auch im Fehlerfall das Richtige tut. Genau das hat Margaret Hamiltons Team vor 57 Jahren mit vier Kilobyte Arbeitsspeicher geschafft.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert