Geht die Welt am 13. November 2026 unter?

Nein: Der Wiener Kybernetiker Heinz von Foerster sagte 1960 für diesen Tag unendlich viele Menschen voraus. Seine Formel stimmte lange – und scheiterte dann an der Realität.

Kurzantwort: Nein. Das Datum stammt zwar aus einem echten Fachartikel, den das renommierte Journal Science 1960 veröffentlicht hat. Gemeint war aber kein Asteroid und kein Atomkrieg, sondern eine Formel, nach der die Weltbevölkerung an diesem Tag ins Unendliche wachsen würde. Die Rechnung ist längst widerlegt: Am 13. November werden laut Science rund 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben, und das Wachstum verlangsamt sich.

Ein Wiener berechnet den Weltuntergang

Der Artikel trägt den knappen Titel „Doomsday: Friday, 13 November, A.D. 2026“. Verfasst hat ihn Heinz von Foerster mit seinen Studierenden Patricia Mora und Lawrence Amiot, alle drei vom Institut für Elektrotechnik der University of Illinois. Von Foerster wurde am 13. November 1911 in Wien geboren, studierte an der Technischen Hochschule Wien und ging 1949 in die USA. Dort wurde er als Kybernetiker bekannt, also als Forscher zu selbstregelnden, rückgekoppelten Systemen. Aufmerksam auf ihn wurde unter anderem Warren McCulloch, ein Pionier der künstlichen Intelligenz.

Das genaue Datum ist ein Scherz mit Ansage. Die Formel ergab das Jahr 2026,87, plus oder minus 5,5 Jahre. Laut der New York Times von damals suchte von Foerster in der Mitte dieser Spanne ein passendes Datum und fand einen Freitag, den 13. Dass das zugleich sein 115. Geburtstag gewesen wäre, war kein Zufall.

https://x.com/NewsfromScience/status/2110906083162132818

Die Formel hinter dem Doomsday

Die Idee ist simpel: Die Zeit, in der sich die Menschheit verdoppelt, wurde über die Jahrhunderte immer kürzer. Bei normalem exponentiellem Wachstum bleibt diese Verdopplungszeit gleich. Von Foerster nutzte Bevölkerungsschätzungen aus rund 2.000 Jahren und fand ein noch schnelleres, sogenanntes hyperbolisches Wachstum: Je mehr Menschen es gibt, desto schneller wächst ihre Zahl. Seine Begründung: Menschen können sich verständigen und zusammentun, mehr Menschen bedeuten also mehr Zusammenarbeit. Mathematisch läuft so eine Kurve in endlicher Zeit gegen unendlich. Für 2020 sagte die Formel mehr als 25 Milliarden Menschen voraus. „Unsere Ururenkel werden nicht verhungern. Sie werden zu Tode gequetscht werden“, schrieben die Autoren.

Erstaunlich lange erstaunlich genau

Demografen schüttelten den Kopf. Ein Einwand: Die Verdopplungszeit könne nie kürzer werden als die neun Monate einer Schwangerschaft. Doch die Formel hielt sich verblüffend gut. 1975 lebten rund 4 Milliarden Menschen auf der Erde, sogar mehr als die vorhergesagten 3,6 Milliarden. Laut einem Beitrag aus The Conversation, den ScienceDaily veröffentlicht hat, lag sie in den 1970er- und 1980er-Jahren besser als die meisten Prognosen von Fachleuten.

Erst Anfang der 1990er-Jahre fiel die Weltbevölkerung hinter die Formel zurück. Im Jahr 2000 lebten eher 6 als die vorhergesagten 7 Milliarden Menschen auf der Erde, 2010 waren es 7 statt 11 Milliarden. Der Grund: In reichen Ländern und in China bekamen Familien weniger Kinder. Heute liegt die weltweite Geburtenrate etwas unter der Hälfte des Werts von 1960.

Warum die Rechnung scheitern musste

Der Ökonom Javier Birchenall nennt das Modell in Science mathematisch korrekt, aber historisch zufällig: Ein kurzer Bevölkerungsboom wurde für ein ewiges Gesetz gehalten. Wie absurd stures Hochrechnen ist, zeigt er an Japan: Würde dessen aktueller Rückgang von 0,77 Prozent pro Jahr weltweit und für immer gelten, wäre die Erde am 5. Mai 3108 menschenleer. Die Vereinten Nationen rechnen dagegen mit einem Höhepunkt von etwa 10,3 Milliarden Menschen Mitte der 2080er-Jahre.

Was das mit KI zu tun hat

Den Punkt, an dem die Formel explodiert, nannte von Foerster eine Singularität. Genau dieses Wort fällt heute im Silicon Valley, wenn es um eine KI geht, die sich selbst immer schneller verbessert. Birchenall warnt davor, auch hier aktuelle Trends einfach endlos fortzuschreiben. Mit derselben Frage beschäftigt sich am 12. und 13. November eine Konferenz am Complexity Science Hub in Wien, unter anderem mit Helga Nowotny und Stefan Thurner. Ihr Thema: Sinn und Unsinn von Weltuntergangsprognosen.

Unsere Antwort auf die Titel-Frage

Geht die Welt am 13. November 2026 unter? Nein. Von Foersters Rechnung war eher Weckruf als Prophezeiung, und sie hat sich selbst widerlegt: Die Autoren forderten, die Geburtenrate zu halbieren, und genau das ist seither ungefähr passiert. Wer am Freitag, dem 13. November, aufwacht, erlebt also aller Voraussicht nach einen ganz normalen Tag – und vielleicht eine gute Gelegenheit, Hochrechnungen jeder Art mit etwas Skepsis zu begegnen.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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