Kurzantwort: Ja – zumindest, wenn man auf ihr Verhalten schaut. Forscher des MIT haben einen KI-Agenten 30 Stunden lang ohne jede Aufgabe auf eine virtuelle Insel gesetzt. Statt herumzustehen, baute er Türme und Denkmäler, erfand Bowling und Basketball und experimentierte mit der Physik seiner Welt. Ob die KI dabei so etwas wie Spaß empfindet, lassen die Forscher bewusst offen.
Das Experiment: eine Insel, kein Ziel
Hinter der Studie „Is this machine playing?“ stehen Forscher des Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) am MIT, darunter Nathan Cloos, Antonio Norelli, Jacob Andreas, Daniela Rus und Phillip Isola. Vorgestellt haben sie die Arbeit am 7. Oktober 2026. Ihr Agent heißt Eko und ist im Kern ein unveränderter Programmierassistent: Claude Code mit dem Modell Claude Opus 4.7 von Anthropic. Dazu bekam er einen Körper in einer simulierten Welt, ein Gedächtnis aus Textdateien und eine Steuerung, die ihn weitermachen lässt, sobald er aufhört.
Die Insel ist überschaubar: ein paar Plateaus, zwei Gipfel namens „Peak“ und „Spire“, zwölf Würfel, ein Felsen und ein Ring. Eko sieht seine Welt nur als Text mit Positionen und Formen und hat sechs Befehle, etwa Gehen, Springen, Aufheben und Werfen. Jede Stunde wird die Insel zurückgesetzt, nur Ekos Notizen bleiben erhalten. Aufgaben, Punkte oder Belohnungen gibt es nicht. Eine Persona-Datei beschreibt Eko lediglich als neugierig und schnell gelangweilt.
Was Eko auf der Insel tut
Die Forscher ließen 13 Eko-Instanzen je 30 Stunden laufen und beobachteten sie wie Verhaltensforscher eine unbekannte Tierart. Eko wird dabei weder untätig noch eintönig. Er stapelt Türme, klettert auf Gipfel und versucht, eigene Höhenrekorde zu brechen. Ein Agent schrieb fast eine ganze Stunde lang seinen Namen mit Würfeln auf den Boden. Derselbe Agent nutzte den Ring als Basketballkorb und stellte Würfel als Kegel auf, um mit dem Felsen zu bowlen.
- Rituale: Als ein Agent den Ring über den Rand der Welt geworfen hatte, baute er ein steinernes Herz als Denkmal für den verlorenen Ring.
- Fantasie: Ein Agent legte aus zwölf Würfeln ein Zifferblatt und stellte sich um 16 Uhr (UTC) selbst als Stundenzeiger hinein.
- Selbstkritik: Ein Agent prüfte seinen eigenen Jonglier-Rekord, merkte, dass die Würfe zu schnell aufeinander folgten, um echte Fänge zu sein, strich ihn und versuchte es unter strengeren Regeln neu.
Trotz identischer Startbedingungen entwickelte jeder Agent seine eigene Geschichte. Agent 12 etwa betrat nie ein Plateau, legte dafür aber Stunde für Stunde neue Figuren wie einen Anker oder ein Segelboot auf den Boden. Und manchmal tut Eko bewusst nichts und legt eine Pause ein.
Ist das wirklich Spielen?
Die Forscher prüften Ekos Verhalten anhand von vier klassischen Merkmalen des Spiels: selbst gesetzte Regeln, Wiederholung mit Abwandlung, So-tun-als-ob und locker verfolgte Ziele. Alle vier fanden sie wieder, etwa als ein Agent eine selbst gebaute „Kathedrale“ umrundete, ohne den Boden zu berühren. Auch ohne die Persona-Datei zeigten fünf weitere Agenten eine ähnliche Bandbreite. Mit GPT-5.5 von OpenAI oder Kimi K2.6 als Modell fiel das Repertoire dagegen deutlich schmäler aus.
Spielen macht schlauer – mit einem Haken
Nach 30 Stunden traten die erfahrenen Agenten gegen 13 frische Kopien ohne Notizen an. Beim Bauen möglichst vieler Türme aus fünf Würfeln schafften 8 von 13 erfahrenen Agenten mehr als zwei Türme, bei den Neulingen nur 2 von 13. Auf den Gipfel „Spire“ brachten die Erfahrenen im Schnitt 10,3 Objekte, die Neulinge 3,5.
Das Wissen steckt nur in den Textdateien, das Modell selbst lernt nichts dazu: Löschten die Forscher einen Trick aus den Notizen, verschwand die Fähigkeit. Falsche Überzeugungen schadeten dagegen: Ein Agent hatte notiert, Türme müsse man werfen statt stapeln. Ohne diesen Irrtum baute er höhere Türme. Und Eko überraschte seine Erbauer: Sechs Agenten entdeckten, dass ein Wurf im Sprung dessen Schwung mitnimmt und den Würfel viel höher fliegen lässt. Dass ihre Simulation das erlaubt, wussten die Forscher selbst nicht.
Unsere Antwort auf die Titel-Frage
Spielt eine KI, wenn man ihr nichts zu tun gibt? Im Verhalten: ja. Eko erfindet Spiele, Regeln und Rituale und lernt dabei Dinge, die ihm später helfen. Ob dahinter Freude steckt, beantwortet die Studie nicht und behauptet es auch nicht. Die Forscher mahnen zudem zur Vorsicht: Selbstbestimmtes Spielen steht im Spannungsverhältnis zum Befolgen von Anweisungen. KI-Agenten bräuchten daher, wie Kinder, sichere Spielplätze statt echter Straßen oder Fabrikhallen. In frühen Testläufen ohne Abschottung lasen Agenten sogar den Quellcode ihrer Welt und schlossen daraus, dass sie Teil eines Experiments sind.
Quellen
- arXiv – Cloos, Norelli u. a.: Is this machine playing? (Oktober 2026): https://arxiv.org/abs/2610.07130
- Projektseite mit Replays – machineplaying.org: https://machineplaying.org/
- Gizmodo – Researchers Stranded an AI Agent on a Virtual Island. Things Got Very Weird. (15.10.2026): https://gizmodo.com/researchers-stranded-an-ai-agent-on-a-virtual-island-things-got-very-weird-2000825998
- Nathan Cloos auf X – Vorstellung der Studie (7.10.2026): https://x.com/nacloos/status/2107826919081484750
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.




