Warum schickt eine Kaffeemaschine 1 Terabyte durchs WLAN?

Eine smarte Kapselmaschine soll in zehn Tagen rund 1 Terabyte Daten verschickt haben. Spioniert da etwa die Kaffeemaschine? Wir erklären, was hinter dem viralen Fall steckt und wie man smarte Geräte absichert.

Eine Kaffeemaschine, die so viele Daten verschickt wie 140 Stunden 4K-Streaming: Ein Beitrag auf X, der millionenfach angezeigt wurde, sorgt diese Woche für Staunen. Ein IT-Profi entdeckte im Heimnetz seiner Eltern eine smarte Kapselmaschine, die in zehn Tagen rund 1 Terabyte Daten hochgeladen haben soll. Spioniert hier eine Kaffeemaschine ihre Besitzer aus? Wir haben uns angesehen, was dahintersteckt.

Was passiert ist

Der X-Nutzer Nomad, der nach eigenen Angaben seit mehr als zehn Jahren in der IT arbeitet und inzwischen beim 3D-Drucker-Hersteller Prusa tätig ist, betreut das Netzwerk seiner Eltern. Als die ihn fragten, warum das Netz so langsam sei, sah er in der Statistik seines UniFi-Netzwerks nach. Dort fiel ein Gerät auf: eine Keurig K-Supreme SMART. In zehn Tagen und neun Stunden hatte die Maschine laut Screenshot 9,94 GB empfangen und 1.008,45 GB gesendet. Sein Beitrag vom 6. Oktober wurde laut X-Statistik mehr als zwei Millionen Mal angezeigt.

Zur Einordnung eine kleine Rechnung: 1.008 GB in rund 249 Stunden entsprechen einem Dauerstrom von etwa 9 Megabit pro Sekunde, rund um die Uhr. Netflix gibt für Streaming in Ultra-HD bis zu 7 GB pro Stunde an. Die Datenmenge der Kaffeemaschine entspricht also gut 140 Stunden 4K-Film.

Ging das alles ins Internet?

Vermutlich nicht. Nomad schob wenig später eine wichtige Korrektur nach: Die Maschine habe zwar rund 1 TB in ihr Netzwerk gefunkt, der Großteil davon habe das Heimnetz aber nie verlassen. Gelitten hat trotzdem das WLAN: Die Maschine lastete einen WLAN-Zugangspunkt (Access Point) allein aus. Laut Nomad hätte das ganze Netz ausfallen können, wenn nicht weitere Access Points die Last übernommen hätten.

https://x.com/NomadsGalaxy/status/2107489454940209177

Seine wahrscheinlichste Erklärung ist ein Fehler im Netzwerkteil der Gerätesoftware. Laut Golem könnte ein solcher Fehler dazu führen, dass die Maschine das lokale Netz mit wiederholten Anfragen und sogenannten Broadcasts flutet, also mit Nachrichten an alle Geräte im Netz. Nach einem Neustart und dem Umzug in ein abgeschottetes Teilnetz (VLAN) trat das Problem nicht mehr auf. Hätte die Maschine wirklich heimlich Daten abgesaugt, so Nomads Argument, wäre das Verhalten zurückgekehrt, sobald sie wieder ins Internet konnte. Beweisen lässt sich das allerdings nicht: Er hat den Datenverkehr nicht mitgeschnitten, was genau gesendet wurde, bleibt unbekannt. Von Keurig gibt es laut Tom’s Hardware bisher keine öffentliche Stellungnahme.

Wozu braucht eine Kaffeemaschine überhaupt WLAN?

Die K-Supreme SMART lässt sich per App starten, kann Brühzeiten planen und mit Alexa oder Google Home gesteuert werden. Außerdem erkennt sie mit der Funktion BrewID die Kapseln des Herstellers und wählt passende Einstellungen. Die Daten, die dafür nötig sind, sind winzig: Laut Tom’s Hardware geht es beim inoffiziellen Open-Source-Projekt pykeurig, das die Maschine in die Smart-Home-Software Home Assistant einbindet, um Dinge wie Ein-/Aus-Status, Brühstatus, die erkannte Kapsel und die Softwareversion. Ein Terabyte passt dazu nicht, was ebenfalls für eine Fehlfunktion spricht.

Nomad hat noch eine zweite Vermutung geäußert: Die Kapselerkennung sei womöglich nur ein Kopierschutz, der darauf warte, eingeschaltet zu werden, damit nur noch Original-Kapseln funktionieren. Belege dafür gibt es nicht, es ist eine Spekulation.

Nicht der erste Fall

Ähnlich viel Aufsehen erregte im Jänner 2024 eine LG-Waschmaschine, die laut der Router-Statistik ihres Besitzers 3,57 GB an einem Tag hochgeladen hatte. Üblich sind für solche Geräte laut TechSpot etwa 1 MB pro Tag. Der Besitzer vermutete später einen Zählfehler seiner Router-Software. Auch bei vernetzten Fernsehern gibt es immer wieder Fragen, was die Geräte im Heimnetz treiben, wie unser Faktencheck zu LG-Fernsehern gezeigt hat.

So behalten Sie Ihre smarten Geräte im Griff

  • Eigenes WLAN für smarte Geräte: Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, vernetzte Haushaltsgeräte in einem separaten Netz zu betreiben. Bietet der Router das nicht, eignet sich ein Gäste-WLAN, das dann aber nur für diese Geräte genutzt werden sollte.
  • Nur ins Internet, wenn nötig: Laut BSI reicht für viele Geräte die Steuerung im Heimnetz. Die Router-Funktion UPnP sollte deaktiviert sein, damit Geräte nicht unkontrolliert ins Internet kommunizieren.
  • Updates einspielen: Geräte ohne Sicherheitsupdates sind laut BSI ein Risiko und sollten ersetzt werden.
  • Ab und zu in die Router-Statistik schauen: Manche Router zeigen an, welches Gerät wie viel Datenverkehr verursacht. Fällt ein Gerät aus der Reihe, kann wie bei der Kaffeemaschine schon ein Neustart helfen.

Unsere Antwort

Nach allem, was bekannt ist, hat die Kaffeemaschine kein Terabyte an Geheimnissen ins Internet geschickt. Wahrscheinlicher ist, dass sie wegen eines Softwarefehlers im Heimnetz verrücktgespielt hat. Harmlos ist das trotzdem nicht: Ein einziges fehlerhaftes Gerät reichte, um das WLAN einer ganzen Familie auszubremsen. Wer smarte Geräte nutzt, sollte sie deshalb in ein eigenes Netz verbannen. Und sich bei jedem neuen Gerät fragen, ob es die Internetverbindung wirklich braucht.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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