Lauscht dein LG-Fernseher mit? Was am viralen Spionage-Short dran ist – und was nicht

Ein Short behauptet, LG-TVs hören im Standby mit und scannen das Heimnetz. Was die Gamers-Nexus-Recherche belegt und was LG bestreitet.

Ein YouTube-Short des Kanals „Hood Informatik“ sorgt seit September für Unruhe in vielen Wohnzimmern: LG-Fernseher würden über das Mikrofon mithören, das Heimnetz scannen und alles an LG-Server hochladen – sogar bei ausgeschaltetem Bildschirm. Mehr als 200.000 Aufrufe hat der Clip inzwischen. Die Grundlage ist eine echte und aufwendige Untersuchung. Ein Teil der Aussagen ist durch Paketmitschnitte belegt, andere bestreitet LG vehement, und eine der Zahlen stammt aus einer ganz anderen Studie. Wir haben die Behauptungen mit den verfügbaren Quellen abgeglichen.

Worauf sich das Short stützt

Ausgangspunkt ist ein rund zweistündiges Video des US-Kanals Gamers Nexus vom 7. September 2026 mit dem Titel „216,000,000 Spy TVs“. Gamers Nexus hat dafür mit dem YouTube-Kanal Level1Techs und den Sicherheitsforschern MrBruh und uturn zusammengearbeitet. Nach eigenen Angaben flossen rund 70.000 US-Dollar und über 500 Arbeitsstunden in das Projekt. Getestet wurden handelsübliche LG-OLEDs, darunter das aktuelle Modell G5 und ein G3. Mit dem Netzwerkanalyse-Tool Wireshark und einer Auswertung der Firmware wollen die Tester gezeigt haben, dass die Geräte das lokale Netz aktiv nach anderen Geräten absuchen. Das Short spricht hier von „ARP-Sweeps“.

Laut Ars Technica fand ein G5 dabei „Dutzende“ fremde Geräte, darunter Smartwatches und Handys von Mitarbeitern. Die Fernseher können demnach außerdem die Namen umliegender WLANs samt Signalstärke und Kanal erfassen. Gamers-Nexus-Chef Steve Burke betont, dafür sei keine Sicherheitslücke nötig gewesen: Es handle sich um ganz normale Funktionen des Fernsehers.

Mikrofon im Standby: Hier steht Aussage gegen Aussage

Der heikelste Punkt ist das Mikrofon. Laut heise online fanden die Forscher in Debug-Logs transkribierte Sprache im Klartext. Das eingebaute Fernfeld-Mikrofon habe nach dem Aktivierungswort noch 10 bis 15 Sekunden weiter zugehört und Sprache aus bis zu 18 Metern Entfernung verstanden. Ohne Netzwerkverbindung habe der Fernseher Daten lokal gesammelt und nach dem Wiederverbinden übertragen. Level1Techs-Gründer Wendell Wilson zufolge stehen dafür rund 4 von 16 GB Flash-Speicher zur Verfügung.

LG weist das zurück. In einer Stellungnahme gegenüber Tom’s Hardware heißt es, die Behauptungen im Video seien „nicht wahr“. Sprachdaten würden nur verarbeitet, wenn man die Sprachtaste auf der Fernbedienung gedrückt hält oder das Aktivierungswort „Hi LG“ erkannt wird – und das auch nur, wenn man die Fernfeld-Spracherkennung zuvor selbst eingeschaltet hat. Im Standby werde lediglich lokal auf das Aktivierungswort gelauscht, die Audiodaten sofort gelöscht und nicht an LG übertragen. Die Aussage aus dem Short, der Fernseher „nehme im Standby weiter auf“, ist also nicht unabhängig bestätigt: Sie stammt von den Testern und wird vom Hersteller bestritten. Am 12. September legte Gamers Nexus mit einem weiteren Video nach. Darin geht es unter anderem um eine geänderte Formulierung in LGs Statements und um neue Mitschnitte, wonach ein per HDMI genutzter Fernseher Standortdaten an LGs Werbetochter gesendet haben soll. Vor Gericht geprüft wurde bisher nichts davon.

„We own the glass“: Das Zitat ist echt

Das im Short zitierte „We own the glass, we own the TV“ ist belegt. Laut dem Branchenportal PPC Land zeigen beide Gamers-Nexus-Videos Clips von Managern der LG Ad Solutions, darunter Präsident Serge Matta, mit genau diesen Sätzen. LG Ad Solutions ist die Werbesparte des Konzerns und firmiert als Alphonso Inc. LG hat sich 2021 die Mehrheit an Alphonso gesichert. Gemeint ist das Geschäftsmodell: Über die automatische Inhaltserkennung (ACR) wertet der Fernseher aus, was auf dem Bildschirm läuft, auch über HDMI. Das ist die Basis für zielgerichtete Werbung. Unbestritten ist auch, dass LG das Scannen des Heimnetzes einräumt: Die Funktion diene dazu, kompatible Geräte zu finden, und sei bei Smart-TVs üblich. ACR sei zudem eine Opt-in-Funktion.

Die 42 Prozent stammen aus einer anderen Studie

Die Behauptung, über 42 Prozent der Apps im webOS-Store würden den Fernseher als „Residential Proxy“ missbrauchen, hat mit der Gamers-Nexus-Untersuchung nichts zu tun. Sie geht auf die Sicherheitsfirma Spur zurück, die im Juni 2026 Apps für LG webOS und Samsung Tizen analysiert hat. Bei LG enthielten demnach mehr als 42 Prozent der Apps ein Proxy-SDK, bei Samsung mehr als ein Viertel. Über solche SDKs können Dritte ihren Internetverkehr über den Anschluss der Nutzer leiten. Der größte Anbieter Bright Data betont, dass Nutzer per eigenem Zustimmungsbildschirm einwilligen. Was im Short fehlt: LG hat im Juli gegenüber KrebsOnSecurity angekündigt, betroffene Apps zu sperren, wenn die Entwickler die Proxy-Funktion nicht entfernen.

Was du jetzt konkret tun kannst

Die Tipps aus dem Short sind grundsätzlich sinnvoll, haben aber einen Haken. Burke selbst warnt, dass die Nutzung als „dummer“ Monitor nicht zwingend alle beschriebenen Funktionen stoppt. Wer den Fernseher später doch wieder verbindet, etwa für ein Update, überträgt womöglich gesammelte Daten. Zudem stammen alle Tests von US-Geräten. Ob europäische Modelle und Firmware-Versionen genauso arbeiten, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor. Was du tun kannst:

  • Den Fernseher vom Netz trennen und Streaming über eine externe Box erledigen.
  • Falls er online bleiben soll: ein eigenes Netzsegment oder VLAN, zumindest aber ein Gastnetz nutzen.
  • In den Einstellungen ACR (bei LG „Live Plus“), Sprachfunktionen und personalisierte Werbung deaktivieren. Den Mikrofonschalter an der Unterseite umlegen – laut heise schaltet er aber nur das Fernfeld-Mikrofon ab.
  • Nur Apps installieren, die du wirklich brauchst, und Zustimmungsdialoge genau lesen.

Unterm Strich: Das Short spitzt eine echte Recherche zu und vermischt sie mit einer separaten Studie. Belegt ist, dass LG-Fernseher das Heimnetz und umliegende WLANs erfassen können und LG damit ein großes Werbegeschäft betreibt. Ob die Geräte im Standby tatsächlich Gespräche aufzeichnen und hochladen, bleibt dagegen umstritten.

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Quellen

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell geprüft.

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