Kurzantwort: Ja – in Frankreich ist genau das passiert. In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2026 verschafften sich Angreifer Zugriff auf vernetzte Kühlsteuerungen mehrerer großer Supermarktketten. Bei Intermarché stiegen die Temperaturen laut Berichten auf rund 50 Grad Celsius und blieben etwa sechs Stunden hoch. Frische und Tiefkühlware musste entsorgt werden; mancherorts meldeten Geschäfte sogar kleine Brände. Es ging nicht um den Kühlschrank in der Küche zu Hause, sondern um industrielle Kälteanlagen mit Fernwartung – und genau das macht die Geschichte so unbequem.
Was in Frankreich passiert ist
Laut BBC und weiteren Agenturberichten zielte die Attacke auf Software der dänischen Firma Danfoss, mit der Händler Kühlmöbel aus der Ferne überwachen und steuern. Normalerweise durchlaufen Tiefkühlgeräte nachts kurze Abtauzyklen mit leicht steigender Temperatur. Die Angreifer sollen die Anlagen angewiesen haben, heiß zu bleiben. Intermarché sprach von etwa 50 °C über rund sechs Stunden; betroffene Ware wurde aus Gesundheitsgründen vernichtet. BFMTV zeigte laut BBC ein Foto eines Eisfachs mit 26,5 °C Anzeige. In manchen Filialen sei morgens heiße Luft aus den Geräten gekommen, vereinzelt habe es kleine Brände gegeben.
Die Pariser Staatsanwaltschaft spricht von einem großangelegten Cyberangriff auf Kühlanlagen mehrerer großer Lebensmittelketten in ganz Frankreich und hat Ermittlungen aufgenommen. EU-Lebensmittelkommissar Christophe Hansen verurteilte den Angriff auf X und betonte, Ernährungssicherheit brauche mehr Aufmerksamkeit – die „Waffe Food“ sei Realität geworden.
Wie groß war der Schaden?
Die Zahlen stammen aus Angaben der Ketten und sind Näherungswerte. Carrefour nannte rund 80 betroffene Filialen. Bei Intermarché und der Discountmarke Netto (Gruppe Les Mousquetaires) waren laut BBC etwa 150 bis 180 Märkte betroffen; weitere rund 100 wurden vorsorglich vom Netz getrennt. Coopérative U sprach von mehr als 100 getroffenen Märkten; Monoprix von etwa fünf Prozent seiner Filialen; auch E.Leclerc war betroffen. Addiert man die öffentlichen Angaben, kommt man grob auf rund 400 von etwa 15.000 Supermärkten in Frankreich – also eine Minderheit, aber genug für Millionenschäden und leere Regale.
Zwei Märkte im Elsass meldeten laut BFMTV zusammen Verluste von 270.000 Euro. Hochgerechnet auf das ganze Land können die Verluste leicht in die Millionen gehen: verdorbenes Essen, Aufräumen, Techniker, Image.
Welche Steuerung war betroffen?
Im Zentrum stehen ältere Danfoss-Einheiten beziehungsweise veraltete Firmware. Danfoss erklärte laut BBC, betroffene Kälteanlagen seien ältere Modelle, deren Sicherheitssoftware sich nicht mehr so absichern lasse, wie es nötig wäre; das Unternehmen habe Kunden seit Langem zu aktuellen, unterstützten Systemen geraten. Das französische CERT-FR veröffentlichte am 12. Oktober die Warnung CERTFR-2026-ALE-012: Es seien zahlreiche Kompromittierungen der Serien AK-SM und AK-SC bekannt. Wer solche Anlagen betreibt, soll Zugänge trennen oder filtern.
Bei Verdacht auf Kompromittierung empfiehlt CERT-FR unter anderem: Netzwerke auf vertrauenswürdige Partner beschränken, Werksreset, verfügbare Patches einspielen, Geheimnisse rotieren, Konten prüfen und das Gerät neu konfigurieren. Eine Verwaltungsoberfläche offen im Internet zu lassen, widerspricht laut CERT-FR ohnehin den guten Praktiken.
War es das Passwort „heutiges Datum“?
Der Account IntCyberDigest schrieb auf X, bei den gehackten Danfoss-Systemen sei der Benutzername „admin“ und das Passwort wechsle täglich auf das aktuelle Datum; betroffene Märkte hätten Systeme exponiert. Das ist die Darstellung dieses Accounts und bezieht sich auf bekannte Schwächen bzw. frühere Forschung – nicht auf einen gerichtsfest bewiesenen Angriffsvektor genau dieses Vorfalls. Unabhängig davon gilt: Triviale oder vorhersagbare Zugangsdaten und offen erreichbare OT-Schnittstellen sind ein Brandbeschleuniger.
In Sekundärberichten wird außerdem Forschung von Claroty Team82 (August) zur AK-SM 800A erwähnt, unter anderem zu Authentisierungsproblemen und möglicher Codeausführung. Ob genau diese Schwachstelle in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober ausgenutzt wurde, ist öffentlich nicht belegt. Wir trennen deshalb klar: Frühere Sicherheitsforschung zeigt, dass solche Steuerungen angreifbar sein können – der konkrete Exploit des aktuellen Angriffs ist noch nicht öffentlich benannt.
Und Österreich? Was bedeutet das für uns?
Zu einem gleichartigen Angriff auf österreichische Supermarkt-Kälteanlagen liegen derzeit keine vergleichbaren Berichte vor. Die Lehre ist trotzdem klar: Kühlketten sind Operational Technology (OT) und Internet of Things – vernetzte Steuerungen, oft jahrelang im Einsatz, manchmal mit Fernwartung über das Internet. Wer Temperaturen remote ändern kann, kann theoretisch auch Lebensmittel unbrauchbar machen oder schlimmeres riskieren. Das betrifft Händler, Logistik und Lebensmittelindustrie, nicht den klassischen Haushaltskühlschrank ohne Cloud-Anbindung.
- Nicht alles ans Internet: Verwaltungsinterfaces von Kälteanlagen gehören hinter Firewall, VPN oder streng gefilterte Zugänge – nicht offen auf Port 443 weltweit.
- Firmware und Support: Veraltete Steuerungen ohne Patch-Pfad sind ein bekanntes Risiko; Migration auf unterstützte Systeme ist teurer als ein Vorfall, aber günstiger als tonnenweise Entsorgung.
- Zugangsdaten: Keine Standardpasswörter, keine Datums-Tricks, Geheimnisse regelmäßig rotieren – wie CERT-FR nach einem Vorfall empfiehlt.
- Notfallplan: Filialen müssen Anlagen vom Netz trennen, Ware prüfen und Kühlketten dokumentieren können – ohne tagelanges Rätselraten.
Unsere Antwort auf die Titel-Frage
Ja: Hacker können einen Supermarkt-Kühlschrank auf 50 Grad „heizen“ – wenn die Anlage über angreifbare, vernetzte Steuerungen wie die betroffenen Danfoss-Systeme hängt. In Frankreich ist das in Hunderten Filialen Realität geworden. Nein: Das ist kein Argument, den Stecker am Kühlschrank zu Hause zu ziehen. Die Gefahr sitzt in schlecht abgesicherter Industrie- und Ladenkühlung, nicht im dumb appliance ohne Fernwartung. Für Händler und Betreiber von Kühlketten in Österreich und der EU ist der Fall ein Weckruf: OT-Sicherheit ist Lebensmittelsicherheit.
Quellen
- BBC – Fridges in French supermarkets hit by cyber attack: https://www.bbc.com/news/articles/crq5nzxv9q4yo
- CERT-FR – CERTFR-2026-ALE-012: Incident ciblant Danfoss AK-SM / AK-SC (12.10.2026): https://www.cert.ssi.gouv.fr/alerte/CERTFR-2026-ALE-012/
- IntCyberDigest auf X – Zu Danfoss / Admin-Passwort-Darstellung (12.10.2026): https://x.com/IntCyberDigest/status/2109753360282767451
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.




